Ich sitze im Lazarett am Bett Franz Kemmerichs. Er hebt den Kopf: „Sie haben mich amputiert.“

Das weiß er also doch jetzt. Ich nicke und antworte: „Sei froh, es konnten auch beide Beine sein, Franz.“

Er schweigt.

Ich rede weiter: „Wegeler hat den rechten Arm verloren. Das ist viel schlimmer. Du kommst ja auch nach Hause.“

Er sieht mich an: „Meinst du?“

„Natürlich.“

Er wiederholt: „Meinst du?“

„Sicher, Franz. Du musst dich nur erst von der Operation erholen.“

Er liegt eine Zeitlang still. Dann sagt er: „Du kannst meine Stiefel mitnehmen.“

Er ist nicht der erste, den ich so sehe; aber wir sind zusammen aufgewachsen, da ist es doch immer etwas anders. Ich habe die Aufsätze von ihm abgeschrieben. Er trug in der Schule meistens einen grauen Anzug. Franz hatte schönes blondes Haar, seine Haut war wie bei einem Mädchen. Er war der beste Turner unter uns. Der Lehrer war immer stolz auf ihn.

Es wird dunkel. Ich setze mich näher und sage: „Vielleicht kommst du in das Erholungsheim, wo wir einmal zusammen waren. Du kannst dann vom Fenster aus über die Felder sehen. Es ist jetzt die schönste Zeit, bevor das Getreide reif ist. Du kannst ausgehen und brauchst niemand zu fragen. Und Klavier spielen kannst du auch, wenn du willst.“

Ich beuge mich über sein Gesicht, das im Schatten liegt. Er atmet leise. Sein Gesicht ist nass, er weint.

„Aber Franz,“ ich lege den Arm um seine Schultern. „Willst du jetzt schlafen?“

Er antwortet nicht. Er weint, seine Wangen sind nass. Ich möchte sie abwischen, aber mein Taschentuch ist zu schmutzig.

Eine Stunde vergeht. Ich sitze still und schaue in sein Gesicht, ob er vielleicht noch etwas sagen möchte. Aber er weint nur. Er ist jetzt allein mit seinem kleinen neunzehnjährigen Leben.

Ich denke daran, wie wir damals abfuhren. Seine Mutter, eine gute, dicke Frau, brachte ihn zum Bahnhof. Sie weinte ununterbrochen, ihr Gesicht war davon geschwollen. Immer wieder fasste sie meine Hand und bat mich, auf Franz draußen achtzugeben. Aber wie kann man im Felde auf jemand achtgeben!

Ich blicke auf meine Stiefel. Sie sind groß und klobig, die Hose ist hineingeschoben; wenn man aufsteht, sieht man dick und kräftig in diesen breiten Rohren aus. Aber wenn wir baden gehen und uns ausziehen, haben wir plötzlich wieder dünne Beine und schmale Schultern. Wir sind dann keine Soldaten mehr, sondern beinahe Knaben.

Franz Kemmerich sah beim Baden klein und schmal aus wie ein Kind.

Man sollte die ganze Welt an seinem Bett vorbeiführen und sagen: Das ist Franz Kemmerich, neunzehn Jahre alt, er will nicht sterben!

 

(Nach Erich Maria Remarque)

 

 

Aufgaben

 

I. Назовите главных действующих лиц текста.

1) Erich Maria Remarque; 2) Franz Kemmerich; 3) Wegeler; 4) Paul Bäumer

II. Выберите правильный вариант окончания предложения.

  1. Ich sitze … .
  2. Er trug in der Schule … .
  3. Der Lehrer war … .
  4. Wir sind keine Soldaten … .
  1. einen grauen Anzug.
  2. immer stolz auf ihn.
  3. sondern Knaben.
  4. im Lazarett am Bett.

III. Правильно (R) или неправильно (F)?

  1. Franz hat beide Beine verloren.
  2. Franz war 19 Jahre alt.
  3. Franz sah beim Baden klein und schmal wie ein Kind.
  4. Seine Mutter war sehr froh, dass Franz an die Front geht.

IV. Напишите вопросы к ответам.

  1. Franz hatte schönes blondes Haar, seine Haut war wie bei einem Mädchen.
  2. Er war der beste Turner unter uns.
  3. Er ist jetzt allein mit seinem kleinen neunzehnjährigen Leben.
  4. Er ist nicht der erste, den ich so sehe.

V. Дайте расширенный ответ на вопрос.

Was bringt der Krieg einem einfachen Menschen? 
(Beweisen Sie Ihre Meinung mit Hilfe des Textes.)

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